Naveta d'es Tudons

Geschichte von Menorca

Um einen kleinen geschichtlichen Überblick zu geben, müssen wir im Jahre 3.000 v.Chr. beginnen, in der so genannten archaischen Periode, aus welcher bereits Relikte analysiert worden sind. Nach einem Zeitsprung von 1.000 Jahren, also im Jahre 2.000 v. Chr., entwickelt sich Menorca zur Zwischenstation auf dem Wege zur iberischen Halbinsel. Auf der Insel leben Jäger und Sammler, ein friedfertiges Volk; es ist Menorcas so genannte prä-talayotische Periode, in der Menschheitsgeschichte beginnt die Bronzezeit.
talaiot
Die einen und anderen haben ein reiches historisches Erbe auf der Insel zurückgelassen, was aus dem östlichsten Territorium der Balearen ein Gebiet mit herausragendem Kulturschätzen macht.

Deshalb sind Historiker und Archäologen der Meinung, dass Menorca als authentisches Freilichtmuseum angesehen werden kann.

Sowohl seine Vorgeschichte als auch die Geschichte sind so intensiv, dass es unmöglich erscheint, dass sie sich auf so einem kleinen Territorium abgespielt haben.
naveta des tudons
Die menschliche Präsenz auf Menorca kann bis auf den Beginn der Bronzezeit zurückverfolgt (2000 v.Chr.) werden, eine Zeitspanne, die mit dem Namen prätalayotische Periode bezeichnet wurde und aus der wichtige Grabdenkmäler erhalten sind, wie die megalithischen Steinkistengräber und die Gemeinschaftsgräber, die sogenannten navetas, von denen die Bekannteste die Naveta des Tudons ist, sowie kleine Siedlungen, die aus absidialen Wohnstätten bestehen.

Um 1400 v. Chr. bringt der Evolutionsprozess dieser Kultur große Steinkonstruktionen hervor, die als talayots bekannt sind, ein Wort, das der bedeutendsten Periode der Vorgeschichte der Insel den Namen verleiht: die Talayotzeit.

In diese Zeit fällt die Expansion ausgedehnter Siedlungen wie Trepucó, Torre d'en Galmés oder Son Catlar, alle mit einer einzigartigen Kultstätte, die taula genannt wird; und die charakteristischen Nekropolen, die aus dutzenden von Höhlen bestehen, die künstlich aus den Felsen der Steilküsten wie in Calascovas oder Cala Morell herausgearbeitet wurden.
talaiot en son catlar
Die inseleigene Kultur, die grundlegend auf zyklopischen Bauwerken basierte, erhielt bald Einflüsse von Außen, die von Völkern stammten, die auf wirtschaftlichem Expansionskurs waren, so wie die Karthager, die sich auf Ibiza niedergelassen hatten, was sich vor allem in der Einführung von neuen Utensilien und Schmuck ausdrückte.

Schließlich, im Jahre 123 v. Chr. findet die römische Eroberung statt, die die Umgestaltung der Talayot-Siedlungen mit sich bringt und die Vorherrschaft von drei Städten, mit ihren wichtigen Häfen: Mago (Maó), Jammo (Ciutadella) und Sanisera (Sanitja).

Aus dem Ende der römischen Epoche sind interessante frühchristliche Basilikas erhalten, unter denen die von Son Bou und die von Fornás de Torelló, die ein interessantes Mosaik aufweist, herausragen. Sie stammen aus dem 5. Jahrhundert n. Chr.

Nach diesem Zeitpunkt durchlebt Menorca eine geschichtliche Periode, die am wenigsten bekannt ist, bis zum Jahre 903, als die Mauren die Insel dem Kalifat von Córdoba angliedern.
catedral ciutadella
Es wurden zahlreiche Keramikfragmente aus jener Zeit in einigen Talayot-Siedlungen gefunden, aber die Besiedlung erfolgte vermutlich besonders auf dem Lande, obwohl die schriftlichen Quellen von einer blühenden Wirtschaft und literarischen Kultur sprechen. Herausragend sind die aus jener Zeit erhaltenen Ruinen des Kastell von Santa Águeda in Ferreries, eine islamische Festungsanlage, die unter Peter dem Zeremoniösen, einige Jahre nach der Eroberung Menorcas durch die Krone von Aragón, abgerissen wurde.

Ab dem Jahre 1287 ist die Insel in die Wechselfälle der Krone von Aragón und später des Königreichs von Mallorca verstrickt. Es handelt sich um die Jahrhunderte, in denen die Dörfer in der Inselmitte, wie Alaior und Ferreries, gegründet wurden. Einen Besuch verdient die aus dieser Zeit stammende gotische Kathedrale von Ciutadella mit einem anschließenden Spaziergang durch den Altstadtkern dieser Ortschaft.

Im 16. Jahrhundert erlebte Menorca die tragischten Momente seiner Geschichte mit den ständigen Piratenüberfällen, die bei den Inselbewohnern eine große Unsicherheit hervorriefen und die ihren Höhepunkt mit der Zerstörung durch türkische Piraten von Maó (1535) und Ciutadella (1558) erreichten. Die Insel wurde fast ganz aufgegeben, bis Philipp II die Entscheidung traf, die Festung von Sant Felip an der Hafeneinfahrt von Maó sowie einige Verteidigungstürme an der Küste, wie die Torre de Sant Nicolau in Ciutadella errichten zu lassen.
fortaleza mola
Im 18. Jahrhundert wird Menorca erneut in die geschichtlichen Wechselfälle Europas verwickelt und aufgrund des Erbfolgekriegs geht der spanische Thron in englische Hände über (1713). Hundert Jahre lang ist die Insel englisch, mit einigen kurzen französischen und spanischen Herrschaftszeiten. Die Engländer verstärkten die Verteidigungsanlagen, indem sie weitere Verteidigungstürme an der Küste bauten, so wie die, die man in den Häfen von Maó oder Fornells sehen kann, und das Fort Marlborough in der cala de Sant Esteve.

Das 19. und 20. Jahrhundert sind ebenso kosmopolitisch, wie die vorangegangen, das erste aufgrund des ständigen Ankommens von ausländischen Flotten im Hafen von Maó, der anfangs Freihandelshafen war. Aus diesem Jahrhundert stammen das Lazarett und die Festung von Isabel II auf la Mola, beide im Hafen von Maó.

Beide Jahrhunderte sind Zeugen von Zeiten großer Armut und anderen von wirtschaftlicher Blüte dank der beginnenden Industrie und des Handels.

Das 20. Jahrhundert wird von dem Gleichgewicht zwischen den wirtschaftlichen Primär-, Sekundär- und Tertiärsektoren gekennzeichnet, bis sich in den 80er Jahren der Tourismus am stärksten entwickelte. Dies brachte eine vermehrte Bebauung des Territoriums mit sich, wodurch das Bild, das die Feriengäste von der Insel hatten, bedroht wurde, eine Entwicklung die dank der Erklärung der Insel zum Biosphärenreservat und dank des unter der Bevölkerung existierenden Bewusstseins für die Erhaltung der Umwelt, gebremst wurde.
cales coves
Das kulturelle Angebot Menorcas ist weitgespannt und breitgefächert. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die zahlreichen prähistorischen Siedlungen und Monumente, die auf der ganzen Insel verteilt sind: die Naveta des Tudons, Torralba den Salord, Torre den Gaumés oder Cales Coves, und viele andere.

Es gibt zahlreiche Museen: das Naturkundemuseum in Ferreries; das Diözesanmuseum und das Stadtmuseum in der Bastió de Sa Font in Ciutadella; das Museum von Menorca und das Museum Hernández-Sanz in Maó; und das Militärmuseum sowie Fort de Marlborough in Es Castell.

Die wichtigsten kulturellen Veranstaltungen des Jahres sind die Internationale Opernwoche in Maó; das Sommer-Musikfestival (Festival de Música d'Estiu) und die Konzerte des Davidchors (Capella Davídica) in Ciutadella; außerdem die internationalen Orgelmusik-Festivals in der Kirche Santa María in Maó und in der Kathedrale von Ciutadella.

Ebenso werden die Jazzkonzerte immer beliebter und von Mal zu Mal mehr Teil des musikalischen Angebots der Insel.
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